Für deinen Hund ist die Wiese nicht grün: So sehen Hunde Farben

Stephanie Richter • 1. November 2026

"Gleiche Wiese, andere Farben."

Herbst im Park: Das Gras leuchtet grün, die Bäume gelb und orange. Mein Dackel Bruno tobt mit seinem Boxer-Kumpel über die Wiese. Für mich ist das ein Farbenrausch. Für Bruno ziemlich sicher nicht.


Als Augenoptik-Ingenieurin hat mich genau das neugierig gemacht: Wie sehen Hunde Farben? Die kurze Antwort: Hunde sehen nicht schwarz-weiß. Aber sie sehen deutlich weniger Farben als du, weil ihnen in der Netzhaut ein Zapfentyp fehlt.


Zwei statt drei Zapfen: Was die Forschung zeigt

In deiner Netzhaut sitzen zwei Arten von Sinneszellen. Die Stäbchen helfen dir bei wenig Licht. Die Zapfen sind für Farben zuständig. Du hast drei Zapfentypen, grob für kurzwelliges (blaues), mittleres und langwelliges Licht. Aus dem Zusammenspiel der drei entsteht dein ganzes Farbspektrum.


Bei Hunden ist das anders. 1989 haben die Forscher Jay Neitz, Timothy Geist und Gerald Jacobs das Farbsehen von drei Hunden untersucht. Die Hunde lernten, unter drei Farbfeldern das abweichende herauszufinden. Das Ergebnis: Die Netzhaut von Hunden hat nur zwei Zapfentypen. Ihre Empfindlichkeit liegt etwa bei 429 und 555 Nanometern, also im Blau-Violett- und im Gelb-Grün-Bereich. Fachleute nennen das dichromatisches Sehen.


Was heißt das im Alltag?

  • Blau und Gelb kann dein Hund gut auseinanderhalten.
  • Grün, Orange und Rot sehen für ihn sehr ähnlich aus, eher wie verschiedene Gelb- und Brauntöne.
  • Ein bläuliches Grün um 480 Nanometer wirkt für ihn vermutlich farblos, also weißlich oder grau. Das ist sein sogenannter Neutralpunkt.


Das ähnelt dem Sehen von Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche. Und genau so habe ich Brunos Sicht im Reel nachgestellt: Die saftige Wiese wird gelblich-oliv, das Fell seines Boxer-Kumpels grau.


2013 kam ein weiterer spannender Befund dazu. Ein russisches Forschungsteam um Anna Kasparson hat acht Hunde getestet. Die Hunde sollten sich merken, an welcher Farbkarte es Futter gab. Dabei orientierten sie sich deutlich häufiger an der Farbe als an der Helligkeit. Hunde sehen also nicht nur Farben, sie nutzen sie auch.


Was das für das Lieblingsspielzeug heißt

Denk an einen knallroten Ball auf einer grünen Wiese. Für dich springt er sofort ins Auge. Für deinen Hund liegen dort zwei ähnliche Gelb-Braun-Töne nebeneinander. Er findet den Ball trotzdem, aber eher über Bewegung, Helligkeit und seine Nase.


Ein blauer oder gelber Ball hebt sich nach dem, was wir über das Hundesehen wissen, deutlich besser vom Gras ab.


Probier es aus: Leg beim nächsten Spaziergang zwei Spielzeuge ins Gras, eins in Rot oder Orange, eins in Blau oder Gelb. Wirf nichts, zeig nichts. Beobachte nur: Welches entdeckt dein Hund zuerst? Und wie sucht er – mit den Augen oder mit der Nase?


Ich finde es jedes Mal spannend, wie selbstverständlich wir annehmen, dass andere die Welt so sehen wie wir. Rund ums Sehen gibt es viel mehr zu entdecken, als man im Alltag bemerkt. Genau darum geht es auf meinem Instagram-Kanal @sichtbargut.biteandbalance: Augenwissen in kleinen Happen, mit Blick auf deinen Alltag.


Ehrlich gesagt: Was wir nicht genau wissen

  • Kleine Gruppen: Die Studie von 1989 hat drei Hunde untersucht, die Studie von 2013 acht. Die Ergebnisse passen gut zusammen und zum Aufbau der Netzhaut, sind aber keine Aussage über jeden einzelnen Hund.
  • Wie es sich anfühlt, wissen wir nicht: Wir können messen, welche Farben ein Hund unterscheidet. Wie Gelb oder Blau für ihn aussieht, kann niemand sagen.
  • Die Simulation im Reel ist eine Näherung. Ich habe ein Verfahren genutzt, das eigentlich für Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche entwickelt wurde. Es zeigt die Richtung, nicht das exakte Bild.
  • Farbe ist nur ein Teil: Hunde sehen auch in anderen Punkten anders als wir, etwa bei Dämmerung und Bewegung. Das habe ich hier bewusst weggelassen.


FAQ

Sehen Hunde schwarz-weiß?

Nein. Hunde haben zwei Zapfentypen und sehen Farben, vor allem im Blau- und Gelbbereich. Die Vorstellung vom Schwarz-Weiß-Sehen gilt seit der Studie von Neitz, Geist und Jacobs (1989) als widerlegt.


Welche Farben sieht ein Hund am besten?

Blau und Gelb. Diese Farben kann er am besten voneinander und von anderen Tönen unterscheiden.


Kann mein Hund Rot sehen?

Rot erscheint für Hunde nicht als eigene Farbe. Rot, Orange und Grün wirken für sie ähnlich, eher gelblich bis bräunlich.


Welche Farbe sollte Hundespielzeug haben?

Auf grünem Gras heben sich blaue und gelbe Spielzeuge für deinen Hund besser ab als rote oder orangefarbene.


Nutzen Hunde Farben überhaupt?

Ja. In einer Studie von 2013 orientierten sich acht Hunde bei der Futtersuche häufiger an der Farbe als an der Helligkeit einer Karte.


Und dein Hund?

Am Ende des Reels siehst du Bruno und seinen Kumpel im direkten Vergleich: oben die Hundesicht, unten deine Sicht. Gleiche Wiese, andere Farben.


Denkst du, dein Hund kann sein Lieblingsspielzeug gut erkennen? Welche Farbe hat es? Schreib es mir gerne in die Kommentare unter dem Reel auf @sichtbargut.biteandbalance.


Deine Stephanie


Quellen


Stephanie Richter von Bite & Balance sitzt lächelnd auf einer Holzbank im Wald – Achtsamkeit im Wald
von Stephanie Richter • 27. Oktober 2026
Warum der Wald so gut tut, was aktuelle Studien zum Waldbaden zeigen und wie du die Ruhe aus dem Wald mit an deinen Teller nimmst – Achtsamkeit für jeden Tag.
Person mit Handy in der Hand
von Stephanie Richter • 22. Oktober 2026
Achtsamkeit in Medizin, Job, Sport, Börse, Schule und beim Essen: Was die Forschung zeigt, wo die Grenzen liegen und wie du im Alltag startest.
Langsames Essen eines Faultiers
von Stephanie Richter • 7. Oktober 2026
Mindful Eating heißt nicht einfach langsamer essen. Ernährungsberaterin Stephanie Richter erklärt die 3 Ebenen und wie du sie im Alltag umsetzt.